Schwarz-Erle
Alnus glutinosa Birkengewächs
Die Schwarz-Erle ist ein Belüftungsexperte. Sie versorgt nicht nur ihre Wurzeln über ein Belüftungssystem mit Luft, sondern auch das sie umgebende Erdreich. Dies ist an den nassen bis überschwemmten Standorten wie Flachmooren und Bachufern an denen die Schwarz-Erle wächst auch notwendig. Außerdem versorgt sie damit ihre fleißigen kleinen Helfer, Strahlenpilze, mit dem notwendigen Rohstoff. Diese wandeln Luftstickstoff so um, das die Schwarz-Erle ihn als Nahrungsergänzung verwerten kann.
Damit sichert sich die Schwarz-Erle nicht nur das Überleben, sie schlägt damit auch die Konkurrenz aus dem Feld. Selbst auf so lebensfeindlichen Standorten wie Kokshalden sichern diese Fähigkeiten der Schwarz-Erle das Überleben. Der Mensch nutzt dies zur Befestigung von Bachläufen. Durch ihr intensives und tiefes Wurzelwerk schützt sie die Bachufer vor Erosion ohne durch die Luftarmut im Boden und die langen Überschwemmungen Schaden zu nehmen. Ihr Holz war sehr gefragt für Schwarzpulver (Holzkohle) und Wasserbauten, aber auch die Drechsler und Tischler schätzten es. Durch ihre Fähigkeit nach dem Abholzen schnell wieder ausschlagen zu können, wurde die Schwarz-Erle intensiv genutzt. Dies führte zu einer Niederwaldwirtschaft. Obwohl die Erle ungestört 25 und sogar 35 Meter groß werden kann, kam sie in den Niederwäldern selten über 5-10 Meter hinaus. Auch ihre Borke wurde genutzt, sie lieferte eine schwarze Farbe, der die Schwarz-Erle ihren Namen verdankt. Heute ist ihr rostrotes Holz wieder sehr in der Möbelindustrie geschätzt.
Die Schwarz-Erle besitzt weibliche und männliche Kätzchen, die bereits im Vorjahr angelegt werden. Die Pollen, die schon im Vorfrühling mit dem Wind verbreitet werden, sind bei vielen Allergikern gefürchtet, denn sie lösen Heuschnupfen aus. Die weiblichen Zapfen betreiben mit den Pollen eine Vorratswirtschaft, denn sie lagern sie erst mal, bis sie selbst reif zur Befruchtung sind. Die Samen sind winzige, ölreiche Flügelnüsse, die mit dem Wind, Wasser und durch Vögel wie den Erlenzeisig verbreitet werden. Aus ihnen wachsen die Bäume, die bis zu 150 Jahre alt werden können, meist aber schon nach 60-80 Jahren genutzt werden.
Es gibt immer weniger Schwarzerlen, da vielfach die Naturstandorte wie Brüche (anmoorige und sumpfige Stellen) oder Auen zurückgehen oder vernichtet werden. Zudem bedroht eine Pilzinfektion die Schwarz-Erlen im Moment. Für Wasserbauten wurde statt Erlenholz das Holz tropischer Bäume verwendet, und selbst auf ihren natürlichen Standorten bekamen ausländische Konkurenten häufig den Vorzug. In den letzten Jahren setzt sich durch die vielen starken Überschwemmungen ein langsames Umdenken ein. Der Wert der Überflutungflächen (Auen) wird wieder erkannt und gefördert und zusammen mit der gesteigerten Nachfrage in der Möbelindustrie könnte dies zu einer Vermehrung der Wälder mit Schwarz-Erlen führen.
Bilder zum Baum des Jahres 2003